Fragen und Antworten

Kann der PCA3-Score nur bei der Entscheidung zur Biopsie eingesetzt werden oder auch zur Unterscheidung zwischen klinisch signifikantem (aggressivem) zu nicht signifikantem (sog. indolentem) Prostatakrebs

Antwort von das PCA3-Expertengremium
Prof. Hendrik Van Poppel
15/02/2012

Der PCA3 Test liefert Ihrem Urologen zusätzliche Informationen und hilft bei der Entscheidung, ob eine Prostatabiopsie durchgeführt werden soll, oder ob man noch abwarten kann (s. PCA3 Hintergrund-Informationen).
Andere Faktoren wie Alter, Prostatagröße, PSA-Wert,  Ergebnis des Tastbefunds bei der rektalen digitalen Untersuchung (DRU) müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Der PCA3-Score, das Ergebnis des PCA3-Tests, gibt die Wahrscheinlichkeit an, ob in einer Biopsie Prostatakrebs gefunden wird (sog. positive Biopsie). Mist steigendem PCA3-Score steigt auch die Wahrscheinlichkeit, Prostatakrebs zu finden, je niedriger der Score ausfällt, desto unwahrscheinlicher wird dies. Daraus folgt, dass bei hohem PCA3-Score eine Biopsie empfohlen, oder umgekehrt bei niedriegem Score aufgeschoben oder vermieden werden kann (s. auch Wie muss man den PCA3-Score interpretieren?).

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der PCA3-Score auch zwischen klinisch signifikantem/aggressivem und nicht-signifikantem/indolentem Prostatakrebs unterscheiden kann (s. PCA3 Hintergrund-Informationen und PCA3 Utility). Wurde Krebs in der Biopsie gefunden, konnten mit dem PCA3-Score zusätzliche Aussagen hinsichtlich der klinischen Aggressivität gemacht werden.
Dies könnte für die Therapieentscheidung eingesetzt werden, also ob eine Operation oder Bestrahlung durchgeführt werden sollte oder ob eine Strategie der "Aktiven Überwachung" (engl. Active Surveillance) verfolgt werden kann (also Vermeidung einer Therapie durch regelmäßige Kontrolle von PSA-Werten, Tastuntersuchung und oder PCA3-Test und jährlicher Biopsie, bis diese Parameter sich verschlechtern).  Je höher der PCA3-Score ausfällt, desto aggressiver ist der Prostatakrebs.

Vergleicht man die Ergebnisse der verschiedenen klinischen Studien, war ein PCA3-Score um 20 Punkte ein Hinweis darauf, dass der vorliegende Prostatakrebs klinisch indolent (nicht aggressiv) war, während ein Wert um 50 Punkte auf aggressiven Krebs hinwies. Daraus kann abgeleitet werden, das bei positiver Biopsie und einem PCA3-Score <20 Punkten eher ein klinisch indolenter (nicht-aggressiver) Krebs vorliegt und eine Strategie des "Aktiven-Überwachens" als Primärtherapie indiziert sein kann [1]. Bei der "besten" Therapieentscheidung spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, wie Gleason-Score und Tumorvolumen.

1. van Poppel H, et al. The relationship between PCA3 and prostate cancer significance. BJU Int 2011;109:360-6